Drei Wochen können erstaunlich schnell vergehen. Kaum hat man sich an den Rhythmus der Täler gewöhnt, sitzt man schon wieder vor gepackten Taschen. Nur ich sitze stattdessen vor mehreren hundert Gigabyte Videomaterial. Während draussen längst alles schläft, laufen auf meinem Bildschirm noch immer Drohnenaufnahmen, Trailfahrten und Landschaften vorbei. Bis alles gesichtet ist, wird noch etwas Zeit vergehen.
Wenn ich auf diese Ferien zurückblicke, dann sind viele Dinge genau so gelungen, wie ich sie mir erhofft hatte. Sportlich sogar besser. Ich konnte persönliche Bestzeiten verbessern, einen KOM auf Strava holen und mehrere Top-10-Platzierungen erreichen. Dafür habe ich in den vergangenen Monaten viel investiert und es freut mich, dass sich diese Arbeit ausbezahlt hat.
Andere Ziele habe ich dagegen nicht erreicht.
Ich wollte Menschen aus den Valli del Natisone kennenlernen. Ich wollte ihre Geschichten hören, sie porträtieren und zeigen, was diese Region neben ihrer Landschaft ausmacht. Genau daraus sollte eine kleine Serie entstehen. Am Ende blieb vieles davon eine Idee.
Vielleicht fehlte mir manchmal der Mut, einfach auf Menschen zuzugehen. Vielleicht fehlte aber auch schlicht die Zeit.
Ferien mit der Familie, Mountainbike, Filmen, Fotografieren und gleichzeitig eine Region bewusst zu erkunden, lassen sich nicht beliebig kombinieren. Irgendwann hat selbst der längste Sommertag zu wenige Stunden.
Dass überhaupt so viel möglich war, verdanke ich meiner Frau. Während ich mit Bike, Kamera oder Drohne unterwegs war, hat sie sich mit unglaublicher Geduld um unsere beiden Kinder gekümmert. Nicht einmal, sondern immer wieder. Ohne diese Unterstützung gäbe es einen grossen Teil der Aufnahmen gar nicht. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar.
Dieses Jahr habe ich versucht, die Valli del Natisone mit anderen Augen zu sehen. Nicht mit den Augen von jemandem, der seit Jahren hierherkommt, sondern mit denen eines Besuchers, der zum ersten Mal anreist. Ich habe bewusst auf mein Vorwissen verzichtet und mich einfach treiben lassen.
Das war manchmal grossartig.
Und manchmal überraschend ernüchternd.
Ich habe mich mehrfach verfahren. Nicht, weil ich unaufmerksam war, sondern weil ich offiziellen Wegweisern oder Trailabzweigungen gefolgt bin. Ein Trail führte mich durch dichten Bewuchs und Dornen, bis ich unten mit zerkratzten Armen und Beinen ankam. Später erklärte mir der Präsident des ASD Machete Teams den richtigen Abzweiger. Das funktionierte tatsächlich. Nur hat ein Tourist den Präsidenten normalerweise nicht neben sich.
Auch abseits des Bikes gab es Momente, die mich nachdenklich machten. Zwei Orte, die ich unbedingt besuchen wollte, waren geschlossen. Solche Dinge passieren. Sie gehören zum Reisen dazu. Zusammen mit den Erfahrungen auf den Trails entstand bei mir aber ein Gedanke, der mich bis heute beschäftigt.
Wie erlebt jemand diese Region, der sie zum ersten Mal besucht?
Ich trage das T-Shirt des ASD Machete Teams mit Stolz. Nicht weil alles perfekt ist, sondern weil ich überzeugt bin, dass dieses Tal etwas Besonderes ist.
Gerade deshalb möchte ich nicht nur über die Stärken sprechen.
Ich habe in den vergangenen Jahren weit über 2’000 Flyer in der Schweiz verteilt, Videos produziert und unzähligen Menschen von den Valli del Natisone erzählt. Ich mache das freiwillig. Niemand hat mich darum gebeten. Ich tue es, weil ich dieses Tal liebe und weil ich möchte, dass mehr Menschen entdecken, was hier entstanden ist.
Wer einen Ort vertritt, sollte aber auch bereit sein, ehrlich hinzusehen.
Ich werde meine Beobachtungen deshalb direkt mit den Verantwortlichen teilen. Nicht öffentlich als Abrechnung, sondern persönlich. Denn vieles lässt sich mit vergleichsweise kleinen Verbesserungen lösen. Klarere Wegführungen, besser erkennbare Abzweigungen oder besser gepflegte Abschnitte können darüber entscheiden, ob jemand nach Hause fährt und sagt: «Das war grossartig.» Oder ob er nicht mehr zurückkommt.
Und genau das wäre schade.
Denn die Valli del Natisone gehören für mich nach wie vor zu den schönsten Regionen, die ich kenne. Die Ruhe, die Landschaft, die Menschen und die unzähligen kleinen Wege machen diesen Ort einzigartig.
Diese Ferien haben daran nichts geändert.
Sie haben mir lediglich gezeigt, dass Liebe zu einem Ort nicht bedeutet, alles schönzureden. Manchmal bedeutet sie, offen anzusprechen, was besser werden könnte.
Die Geschichte dieser Reise endet deshalb noch nicht mit diesem Beitrag.
Das Filmmaterial ist noch lange nicht fertig gesichtet. Zwischen all den Aufnahmen steckt bereits jetzt mehr als nur ein weiteres Bikevideo. Es steckt eine Geschichte über eine Region, die mir mit jedem Besuch wichtiger wird.

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