Kaum sind die Ferien vorbei, ist man wieder drin. Wecker, Arbeit, Termine, Alltag. Eigentlich bin ich erholt zurückgekommen. Drei Wochen Italien, viel draussen, viel erlebt, unglaublich viel auf dem Bike gewesen und ständig irgendetwas gemacht. Und trotzdem frage ich mich nach nicht einmal zwei Wochen: Wo ist eigentlich die ganze Energie hin, die ich angeblich getankt habe?
Das Verrückte daran ist, dass ich in den Ferien nicht etwa besonders viel geschlafen oder mich drei Wochen lang irgendwo hingelegt hätte. Eher im Gegenteil. Ich war teilweise stundenlang mit dem Bike unterwegs, bin bei weit über 30 Grad irgendwelche Berge hochgefahren, habe gefilmt, fotografiert, Ausflüge gemacht und hatte ständig irgendeine Idee im Kopf. Am nächsten Morgen aufzustehen war trotzdem selten ein Problem. Es gab schliesslich etwas zu tun, und meistens hatte ich Lust darauf.
Jetzt klingelt morgens wieder der Wecker und plötzlich ist diese Leichtigkeit weg. Ich komme aus dem Bett, klar. Aber dieses Gefühl von «mal schauen, was heute passiert» wurde ziemlich schnell wieder durch «was steht heute alles an?» ersetzt.
Vielleicht liegt genau da der Unterschied.
Vielleicht tanken wir in den Ferien gar keine Energie
Wir sagen immer, wir müssten in den Ferien unsere Batterien aufladen. Das klingt logisch, funktioniert bei Menschen aber offenbar nur bedingt. Wäre ich tatsächlich mit vollständig geladenem Akku aus Italien zurückgekommen, müsste der schliesslich etwas länger halten als ein paar Arbeitstage.
Vielleicht ist es deshalb weniger die Energie, die wir aus den Ferien mitnehmen. Vielleicht sind es die Umstände, unter denen wir plötzlich mehr davon haben.
Das merke ich gerade beim Sport ziemlich deutlich. In den Ferien war ich dauernd auf dem Bike. Ich musste mich nicht motivieren, Sport zu machen, ich wollte einfach fahren. Da war ein Trail, den ich noch nicht kannte. Ein Weg, bei dem ich wissen wollte, wohin er führt. Eine Strecke, die ich filmen wollte. Oder schlicht die Lust, irgendwo hochzufahren und danach wieder runterzubrettern.
Niemand musste mir sagen, dass Bewegung gesund ist. Meine Garmin musste mich nicht daran erinnern, aktiv zu sein. Ich hatte auch keinen Trainingsplan. Ich hatte schlicht Lust darauf.
Zurück in der Schweiz fehlt mir diese Bewegung inzwischen richtig. Das ist eigentlich das Absurde daran: Ich weiss, wie gut sie mir tut, ich vermisse sie sogar, und trotzdem ist die Hürde plötzlich wieder grösser. Nach einem Arbeitstag aufs Bike zu steigen fühlt sich anders an als morgens in den Ferien zu überlegen, welchen Trail ich heute fahren könnte.
Das Bike ist dasselbe. Der Mensch darauf ebenfalls. Was sich verändert hat, ist der Alltag drumherum.
Was genau fehlt eigentlich?
Diese Frage finde ich interessanter als die übliche Suche nach Motivation. Denn vielleicht fehlt mir gar nicht die Motivation. Vielleicht verlangt mein Alltag einfach viel mehr davon.
In den Ferien musste ich mich nicht motivieren, etwas zu erleben. Ich musste mir keine zwei Stunden im Kalender blockieren, damit ich draussen sein konnte. Bewegung war kein zusätzlicher Programmpunkt, sondern Teil des Tages. Und wenn ich morgens aufgestanden bin, wusste ich zwar oft nicht genau, was der Tag bringt, aber genau das war ja das Schöne daran.
Im Alltag ist vieles bereits definiert, bevor der Tag überhaupt angefangen hat. Aufstehen, arbeiten, Verpflichtungen erledigen, irgendwann Feierabend. Und irgendwo dazwischen soll dann noch all das Platz finden, was einem eigentlich Energie gibt.
Vielleicht ist das der Punkt, den ich aus diesen Ferien mitnehmen möchte. Nicht den ziemlich aussichtslosen Versuch, dieses Feriengefühl möglichst lange zu konservieren. Das funktioniert sowieso nicht. Der erste volle Posteingang erledigt diese romantische Vorstellung ziemlich zuverlässig.
Mich interessiert vielmehr, warum ich mich dort anders gefühlt habe.
Warum bin ich morgens leichter aufgestanden? Warum hatte ich Lust, mich zu bewegen? Warum haben mich anstrengende Tage weniger gestört? Und warum empfinde ich manche Dinge, die mir eigentlich Freude machen, zu Hause plötzlich wieder als etwas, für das ich zuerst Zeit schaffen muss?
Ein bisschen Ferien in den Alltag schmuggeln
Ich werde meinen Alltag nicht in Ferien verwandeln können. Das wäre auch eine ziemlich naive Vorstellung. Arbeit gehört dazu, Verpflichtungen ebenfalls, und nicht jeder Dienstag kann mit einer Mountainbike-Tour durch die Valli del Natisone beginnen.
Aber vielleicht kann ich genauer hinschauen, welche Teile davon mir fehlen? Bei mir ist es ziemlich offensichtlich: Bewegung, draussen sein, entdecken und Dinge einfach deshalb machen, weil ich gerade Lust darauf habe. Nicht weil sie produktiv sind, nicht weil sie auf irgendeiner Liste stehen und auch nicht, weil meine Uhr findet, ich hätte heute noch zu wenig Schritte gemacht.
Vielleicht muss ich also gar nicht versuchen, die Energie aus den Ferien mitzunehmen. Vielleicht muss ich im Alltag wieder mehr von den Dingen einbauen, die diese Energie überhaupt erst erzeugt haben. Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Für mich ist es gerade ein ziemlich grosser. Und vielleicht ist genau das das sinnvollste Souvenir aus diesen Ferien. Nicht zu versuchen, drei Wochen Freiheit möglichst lange im Kopf zu konservieren, sondern herauszufinden, was davon im normalen Leben fehlt.
Bei mir steht das Bike jedenfalls ziemlich demonstrativ in der Garage.
Vermutlich sollte ich den Hinweis verstehen.


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